Franchise 300 oder 2500? So wählst du richtig (2026)
Tiefe oder hohe Franchise? Die sechs Franchisestufen, Selbstbehalt, Wechselfristen und der Break-even für die günstigste Stufe, mit Rechner.
„300 oder 2500?” ist die häufigste Frage bei der Schweizer Grundversicherung, und zugleich die mit dem grössten Sparpotenzial. Die Wahl der Franchise verändert deine Prämie deutlich, ohne dass sich an den Leistungen etwas ändert. Dieser Artikel erklärt, wie die Franchise funktioniert und nach welcher Regel du entscheidest.
Was die Franchise in der Schweiz bedeutet
Die Franchise ist der jährliche Betrag, den du für medizinische Leistungen selbst zahlst, bevor sich die Krankenkasse beteiligt. Sie funktioniert wie ein Selbstbehalt „am Anfang des Jahres”: Erst wenn deine Kosten die Franchise überschritten haben, übernimmt die Kasse den Rest, abzüglich des Selbstbehalts (dazu gleich mehr).
Wichtig für Zuzüger: Die Franchise ist kein verlorenes Geld, sondern ein Hebel. Wählst du eine hohe Franchise, sinkt deine Prämie; im Gegenzug trägst du im Krankheitsfall mehr selbst.
Die sechs Franchisestufen für Erwachsene
Erwachsene ab 19 Jahren wählen zwischen sechs Stufen pro Jahr:
| Franchise | Typ |
|---|---|
| 300 Franken | ordentliche Franchise |
| 500 Franken | Wahlfranchise |
| 1000 Franken | Wahlfranchise |
| 1500 Franken | Wahlfranchise |
| 2000 Franken | Wahlfranchise |
| 2500 Franken | höchste Wahlfranchise |
Je höher die Franchise, desto tiefer die Prämie (BAG). Beachte: Ein Versicherer muss nicht alle Stufen anbieten.
Kinder und Jugendliche: Franchise ab 0 Franken
Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre gilt eine ordentliche Franchise von 0 Franken. Wählbar sind zusätzlich 100, 200, 300, 400, 500 oder 600 Franken (BAG). Auch hier müssen Versicherer nicht alle Stufen anbieten.
Selbstbehalt: 10 Prozent obendrauf
Neben der Franchise gibt es den Selbstbehalt. Er beträgt in der Regel 10 Prozent der Kosten, die über deiner Franchise liegen, angerechnet bis höchstens 700 Franken pro Jahr für Erwachsene (350 Franken für Kinder). Dieser Selbstbehalt ist gesetzlich geregelt und unabhängig von Franchise und Modell (BAG). Wie hoch deine Kostenbeteiligung aus Franchise plus Selbstbehalt im Extremfall wird, rechnest du mit dem Selbstbehalt-Rechner aus.
Das ist entscheidend für den Vergleich: Weil der Selbstbehalt bei jeder Franchise gleich ist, hebt er sich bei der Entscheidung „300 oder 2500” gegenseitig auf.
Was du maximal pro Jahr zahlst
Mit der höchsten Franchise (2500 Franken) liegt deine jährliche Kostenbeteiligung in der Regel bei höchstens 3200 Franken: 2500 Franken Franchise plus 700 Franken Selbstbehalt. Bei einem Spitalaufenthalt kommt der Beitrag von 15 Franken pro Tag noch dazu (BAG).
Ein Rechenbeispiel zur Kostenbeteiligung
Ein Beispiel macht das Zusammenspiel von Franchise und Selbstbehalt greifbar. Angenommen, du verursachst in einem Jahr 4000 Franken anrechenbare Gesundheitskosten:
- Mit der 300er-Franchise zahlst du 300 Franken Franchise plus 10 Prozent des Rests (3700 Franken), also 370 Franken Selbstbehalt, zusammen 670 Franken Kostenbeteiligung.
- Mit der 2500er-Franchise zahlst du 2500 Franken Franchise plus 10 Prozent von 1500 Franken, also 150 Franken Selbstbehalt, zusammen 2650 Franken.
Der Unterschied von rund 1980 Franken ist das Mehr, das du mit der hohen Franchise in diesem Kostenjahr selbst trägst. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie viel tiefer deine Prämie mit der 2500er-Franchise ausfällt. Diese Prämienersparnis kommt in der Rechnung noch obendrauf und gilt auch in gesunden Jahren.
Franchise ist nicht gleich Selbstbeteiligung
Aus Deutschland oder Österreich kennst du vielleicht eine Selbstbeteiligung pro Behandlung oder pro Rezept. Die Schweizer Franchise funktioniert anders: Sie ist ein jährlicher Sockelbetrag, den du über alle Leistungen hinweg ansammelst. Erst wenn deine Kosten diesen Sockel übersteigen, beteiligt sich die Kasse, und dann trägst du zusätzlich den Selbstbehalt von 10 Prozent (BAG). Franchise und Selbstbehalt sind also zwei getrennte Stufen, nicht dasselbe.
300 oder 2500: die einfache Faustregel
Zwischen der tiefsten und der höchsten Franchise liegen 2200 Franken (2500 minus 300). Das ist der zusätzliche Betrag, den du im Krankheitsfall mit der hohen Franchise selbst trägst. Dem steht die Prämienersparnis gegenüber, die eine hohe Franchise dir übers Jahr bringt.
Daraus folgt die Faustregel:
- Hohe Franchise (2500): sinnvoll, wenn du wenig medizinische Kosten erwartest. Sparst du über die tiefere Prämie mehr, als dich das Mehrrisiko von rund 2200 Franken kostet, gewinnst du.
- Tiefe Franchise (300): sinnvoll, wenn du regelmässige oder absehbare Kosten hast (chronische Behandlung, geplante Eingriffe, Schwangerschaft). Dann erreichst du die Franchise ohnehin und profitierst von der frühen Kostenübernahme.
Die Mechanik durchgerechnet: maximaler Rabatt gegen Mehrrisiko
Wie gross kann die Prämienersparnis überhaupt sein? Das ist gesetzlich gedeckelt: Die Prämienreduktion für eine Wahlfranchise darf höchstens 70 Prozent des zusätzlich übernommenen Risikos betragen (Art. 95 Abs. 2bis KVV). Zwischen 300er- und 2500er-Franchise liegen 2200 Franken Mehrrisiko; die Prämie mit der 2500er-Franchise darf also maximal rund 1540 Franken pro Jahr tiefer sein (70 Prozent von 2200 Franken). Ob eine Kasse diesen Maximalrabatt tatsächlich gewährt, ist ihre Entscheidung; viele bleiben darunter. Den realen Rabatt deiner Kasse siehst du im offiziellen Vergleich auf priminfo.admin.ch.
Diesem Rabatt steht gegenüber, was du mit der 2500er-Franchise im Krankheitsfall mehr aus der eigenen Tasche zahlst. Die Mechanik (Franchise plus 10 Prozent Selbstbehalt, angerechnet höchstens 700 Franken) ergibt je nach Jahreskosten:
| Anrechenbare Jahreskosten | Kostenbeteiligung mit 300er | Kostenbeteiligung mit 2500er | Mehrkosten mit 2500er |
|---|---|---|---|
| 0 Franken | 0 Franken | 0 Franken | 0 Franken |
| 500 Franken | 320 Franken | 500 Franken | 180 Franken |
| 2000 Franken | 470 Franken | 2000 Franken | 1530 Franken |
| 4000 Franken | 670 Franken | 2650 Franken | 1980 Franken |
| 10 000 Franken und mehr | 1000 Franken (Maximum im Regelfall) | 3200 Franken (Maximum im Regelfall) | 2200 Franken |
Daraus folgt die Break-even-Logik:
- In einem gesunden Jahr (etwa 500 Franken Kosten) zahlst du mit der 2500er-Franchise nur 180 Franken mehr Kostenbeteiligung, und die Prämienersparnis von bis zu rund 1540 Franken bleibt fast vollständig bei dir.
- Bei rund 2000 Franken Jahreskosten kippt die Rechnung: Die Mehrkosten (1530 Franken) entsprechen etwa dem maximal erlaubten Rabatt (rund 1540 Franken). Gewährt deine Kasse weniger als den Maximalrabatt, liegt dein persönlicher Kipppunkt entsprechend tiefer.
- In einem teuren Jahr (4000 Franken und mehr) zahlst du mit der 2500er-Franchise 1980 bis 2200 Franken mehr. Das kann kein gesetzlich zulässiger Rabatt vollständig ausgleichen. Wer sicher hohe Kosten hat, fährt mit der 300er-Franchise besser.
Die mittleren Stufen (500 bis 2000 Franken) lohnen sich rechnerisch selten: Wer unter dem Kipppunkt bleibt, fährt mit 2500 am besten; wer darüber liegt, mit 300. Deinen konkreten Kipppunkt rechnest du direkt hier aus, mit deiner echten Prämiendifferenz statt dem gesetzlichen Maximum:
Franchise CHF 300
GünstigerCHF 4'620
Gesamtkosten pro Jahr, tiefe Franchise
Franchise CHF 2'500
CHF 4'800
Gesamtkosten pro Jahr, hohe Franchise
Bei diesen Annahmen fährst du mit CHF 300 Franchise günstiger.
Passt die Franchise zu Modell und Prämie? Kostenlos & unverbindlich klären.
Der Rechner arbeitet mit Orientierungswerten und speichert nichts. Für die exakten Prämien deiner Kasse und deines Wohnorts bleibt priminfo.admin.ch die verbindliche Quelle. Als eigenständige Seite findest du ihn auch unter Franchise-Rechner.
Den Wechsel der Franchise richtig timen
Du bist nicht für immer an eine Franchise gebunden, du kannst sie anpassen, allerdings nur auf den Beginn eines Kalenderjahres. Unter dem Jahr ist kein Franchisewechsel möglich. Die Fristen regelt Art. 94 der KVV, und sie sind je nach Richtung unterschiedlich:
- Franchise erhöhen (z. B. von 300 auf 2500): Der Wechsel gilt ab dem 1. Januar. Die Meldung an deine Kasse muss in der Regel bis Ende Jahr eintreffen; einzelne Kassen setzen frühere interne Fristen, frage im Zweifel direkt nach.
- Franchise senken (z. B. von 2500 auf 300): Auch hier gilt der Wechsel ab dem 1. Januar, aber es gelten die Kündigungsfristen wie beim Kassenwechsel: Bei vielen Kassen muss die schriftliche Meldung deshalb bis zum 30. November eintreffen (priminfo.admin.ch).
Alle Details zu den Fristen, inklusive Modellwechsel und Sonderfällen, findest du im Ratgeber zum Franchisewechsel. Willst du gleichzeitig auch die Kasse wechseln, gelten die Fristen aus dem Ratgeber zum Krankenkassenwechsel; die neue Franchise wählst du dann einfach beim Antrag der neuen Kasse.
Rechne deinen Break-even aus
Die Faustregel gibt die Richtung vor; den genauen Kipppunkt rechnest du am besten konkret durch. Probier dazu unseren Franchise-Rechner: Er zeigt dir, ab welchen erwarteten Gesundheitskosten sich welche Franchise lohnt.
Die Franchise ist nur einer von mehreren Hebeln. Welche Wege es sonst noch gibt, die Prämie zu senken, und was davon wirklich etwas bringt, steht in Krankenkassen-Prämien senken. Vom Einkommen abhängig ist zusätzlich die Prämienverbilligung.
Den grösseren Zusammenhang (Pflicht, Frist, Modelle und Aufnahmezwang) findest du im kompletten Leitfaden zur Krankenversicherung. Wenn du die Wahl lieber gemeinsam mit Fachleuten triffst, vermitteln wir dich an eine kooperierende, unabhängige und FINMA-registrierte Versicherungsberatung.
Häufige Fragen
Welche Franchisestufen gibt es für Erwachsene?
Was kostet mich eine Franchise von 2500 Franken im schlimmsten Fall?
Ist der Selbstbehalt bei hoher Franchise höher?
Welche Franchise lohnt sich für mich?
Gilt für Kinder dieselbe Franchise?
Quellen
- BAG: Wahlfranchisen
- BAG: Kostenbeteiligung
- priminfo.admin.ch: Prämienvergleich des Bundes
- priminfo.admin.ch: FAQ (Fristen für den Franchisewechsel)
- Fedlex: Verordnung über die Krankenversicherung (KVV), Art. 94 bis 95
Aktualisiert am .
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.