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Krankenversicherung

Krankenkassen-Modelle: Hausarzt, HMO oder Telmed?

Standard, Hausarzt, HMO oder Telmed: wie die Modelle der Grundversicherung funktionieren – gleiche Leistungen, tiefere Prämien. Mit Modell-Ersparnis-Rechner.

schweiz-start.ch RedaktionAktualisiert am ca. 5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Modell wählst du den Zugangsweg zur Medizin – nicht den Leistungsumfang.
  • Die gesetzlichen Leistungen sind in allen Modellen identisch.
  • Standard bietet freie Arztwahl; Hausarzt, HMO und Telmed schränken die Wahl ein.
  • Für die eingeschränkte Wahl gewähren die Kassen einen Prämienrabatt.
  • Wie gross der Rabatt ist, siehst du im offiziellen Vergleich auf priminfo.admin.ch.

Bei der Schweizer Grundversicherung triffst du zwei zentrale Entscheidungen: die Franchise und das Modell. Während die Franchise bestimmt, wie viel du im Krankheitsfall selbst trägst, legt das Modell fest, wie du zur Medizin kommst – also welchen Weg du bei Beschwerden zuerst gehst. Für Zuzüger aus Deutschland oder Österreich ist das zunächst ungewohnt, steckt aber voller Sparpotenzial. Dieser Artikel erklärt die vier Modelle Standard, Hausarzt, HMO und Telmed.

Das Wichtigste vorweg: Die Leistungen sind überall gleich

Der häufigste Irrtum: Viele glauben, ein günstigeres Modell bringe „schlechtere" Medizin. Das ist falsch. Die obligatorische Krankenpflegeversicherung bietet allen Versicherten denselben gesetzlich festgelegten Leistungsumfang – unabhängig vom gewählten Modell (BAG).

Was sich beim Modell unterscheidet, ist nicht der Inhalt, sondern der Zugangsweg: die Frage, wen du bei einem gesundheitlichen Problem zuerst kontaktierst. Genau für diese Einschränkung der freien Arztwahl gewähren die Kassen einen Prämienrabatt (priminfo.admin.ch).

Standardmodell: volle freie Arztwahl

Das Standardmodell ist das klassische Modell mit freier Arztwahl. Du gehst direkt zu jedem Arzt oder jeder Ärztin deiner Wahl – Hausarzt, Spezialistin, Spital – ohne vorgeschaltete Anlaufstelle. Diese Freiheit hat ihren Preis: Das Standardmodell ist in der Regel das teuerste Modell.

Für Zuzüger, die das deutsche oder österreichische System gewohnt sind, fühlt sich das Standardmodell am vertrautesten an. Wenn du aber ohnehin meist zuerst zu deinem Hausarzt gehst, zahlst du hier oft für eine Freiheit, die du gar nicht nutzt.

Die drei Alternativmodelle: eingeschränkte Wahl, tiefere Prämie

Bei den drei Alternativmodellen verpflichtest du dich, bei medizinischen Fragen zuerst eine festgelegte Stelle zu kontaktieren. Diese eingeschränkte Wahl der Leistungserbringer ist der Grund für die tiefere Prämie (priminfo.admin.ch). Die erste Anlaufstelle koordiniert deine Behandlung und überweist dich bei Bedarf weiter.

Hausarztmodell

Beim Hausarztmodell gehst du bei allen medizinischen Fragen und Beschwerden immer zuerst zu deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin (priminfo.admin.ch). Diese Person kennt deine Geschichte, behandelt selbst oder überweist dich an Spezialisten. Das Modell eignet sich gut, wenn du eine feste Vertrauensperson für Gesundheitsfragen schätzt.

HMO-Modell

HMO steht für Health Maintenance Organization. Hier ist deine erste Anlaufstelle eine Gruppenpraxis beziehungsweise ein HMO-Gesundheitszentrum, in dem mehrere Ärztinnen und Ärzte zusammenarbeiten (priminfo.admin.ch). Du bist nicht an eine einzelne Person gebunden, sondern an das Zentrum. HMO-Modelle gehören oft zu den günstigsten Varianten, setzen aber voraus, dass ein solches Zentrum in deiner Nähe liegt.

Telmed (telefonische Beratung)

Beim Telmed-Modell rufst du bei medizinischen Fragen zuerst eine medizinische Telefonberatung an (priminfo.admin.ch). Fachpersonen schätzen am Telefon ein, was zu tun ist, und verweisen dich gegebenenfalls an einen Arzt. Das Modell ist besonders praktisch, wenn du flexibel bist und nicht an einen festen Standort gebunden sein möchtest.

Erst die Anlaufstelle, dann der Arzt

Bei allen Alternativmodellen ist der Zugangsweg verbindlich: Gehst du ohne den vorgesehenen ersten Schritt direkt zum Spezialisten, kann das Folgen haben. Welche Ausnahmen gelten – etwa direkter Zugang zu Augenarzt oder Gynäkologie und was als Notfall zählt – steht in den Bedingungen deiner konkreten Kasse und unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. In einem echten Notfall darfst du immer direkt Hilfe holen.

Wie viel kannst du sparen?

Für die eingeschränkte Wahl der Leistungserbringer senken die Kassen die Prämie (priminfo.admin.ch). Wie gross der Rabatt ausfällt, legt jede Kasse selbst fest – er hängt von Versicherer, Wohnort und Modell ab und ist keine einheitliche, fixe Zahl. Konkrete Prozentangaben einzelner Anbieter solltest du immer als deren eigene Angabe verstehen, nicht als allgemeingültige Regel.

Den verlässlichen Überblick gibt dir der offizielle, neutrale Prämienvergleich des Bundes: Auf priminfo.admin.ch siehst du für deinen Wohnort und deine Altersgruppe, wie viele Franken ein Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell gegenüber dem Standardmodell tatsächlich spart. So vergleichst du echte Beträge statt Werbeversprechen.

Modell und Franchise zusammen denken

Modell und Franchise sind zwei unabhängige Spar-Hebel. Du kannst sie kombinieren – etwa ein Hausarztmodell mit einer höheren Franchise. Erwachsene wählen die Franchise zwischen 300 und 2500 Franken (BAG); der Selbstbehalt von 10 Prozent (maximal 700 Franken pro Jahr) bleibt dabei immer gleich (BAG). Wie du die Franchise wählst, liest du unter Franchise 300 oder 2500?

Welches Modell passt zu dir?

Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht – es kommt auf deinen Alltag an. Diese Fragen helfen bei der Orientierung:

  • Möchtest du jederzeit frei jeden Arzt wählen? Dann ist das Standardmodell das passende, aber teuerste.
  • Hast du oder suchst du eine feste Vertrauensperson? Dann spricht viel für das Hausarztmodell.
  • Wohnst du in der Nähe eines Gesundheitszentrums und magst Teampraxen? Dann ist HMO oft am günstigsten.
  • Bist du flexibel und organisierst gern telefonisch oder digital? Dann ist Telmed praktisch.

Wichtig bleibt: Du gibst bei keinem Modell Leistungen auf, nur ein Stück Bequemlichkeit bei der Arztwahl. Da der gesetzliche Schutz überall gleich ist, kannst du wenig falsch machen.

So gehst du jetzt vor

  1. Frist im Blick behalten – Nach dem Zuzug musst du dich innert drei Monaten versichern; bei fristgerechtem Abschluss gilt der Schutz rückwirkend (BAG). Details im Leitfaden für Zuzüger.
  2. Alltag ehrlich einschätzen – Gehst du ohnehin zuerst zum Hausarzt oder rufst gern an? Dann lohnt sich ein Alternativmodell.
  3. Modell und Franchise festlegen – beide gemeinsam bestimmen deine Prämie. Wie viel ein Alternativmodell in deiner Situation ungefähr sparen kann, spielst du im Modell-Ersparnis-Rechner durch.
  4. Neutral vergleichen – die echten Prämien für deinen Wohnort auf priminfo.admin.ch.
  5. Anmelden – fristgerecht über die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Du möchtest das nicht allein entscheiden? Wir helfen dir kostenlos und unverbindlich, das passende Modell und die passende Kasse zu finden – persönlich und auf Deutsch. Bist du Grenzgänger, gelten besondere Regeln; mehr dazu unter Grenzgänger und Krankenversicherung.

Dieser Artikel dient der Information und ist keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall.

Quellen

Diese Information dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Verbindlich sind die offiziellen Stellen (u. a. bag.admin.ch, priminfo.admin.ch).

Häufige Fragen

Bekomme ich bei einem günstigeren Modell weniger Leistungen?

Nein. Die gesetzlichen Leistungen der Grundversicherung sind in allen Modellen identisch. Du gibst nur ein Stück freie Arztwahl auf und gehst zuerst über eine festgelegte erste Anlaufstelle – dafür ist die Prämie tiefer.

Was ist der Unterschied zwischen Hausarzt, HMO und Telmed?

Es geht um die erste Anlaufstelle: Beim Hausarztmodell gehst du zuerst zu deinem Hausarzt, beim HMO-Modell zuerst in ein Gruppenpraxis-Zentrum, beim Telmed-Modell rufst du zuerst eine medizinische Telefonberatung an. Diese Stelle koordiniert die weitere Behandlung.

Wie viel spare ich mit einem Alternativmodell?

Für die eingeschränkte Wahl der Leistungserbringer gewähren die Kassen einen Prämienrabatt. Wie hoch er ausfällt, hängt von Kasse, Wohnort und Modell ab. Die konkreten Prämien vergleichst du am besten im offiziellen Rechner auf priminfo.admin.ch.

Darf ich im Notfall trotzdem direkt ins Spital?

Ja. In einem echten Notfall darfst du immer direkt Hilfe holen. Die genauen Regeln, wann du die erste Anlaufstelle umgehen darfst (z. B. Augenarzt, Gynäkologie), stehen in den Bedingungen deiner Kasse und unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter.

Kann ich Modell und Franchise frei kombinieren?

Ja. Modell und Franchise sind zwei getrennte Hebel. Du kannst etwa ein Hausarztmodell mit hoher Franchise wählen und so beide Spareffekte verbinden. Die Leistungen bleiben dieselben.

Was gilt für Grenzgänger?

Grenzgänger haben ein Optionsrecht und können sich unter Umständen von der Schweizer Versicherungspflicht befreien lassen. Dafür gelten eigene Fristen und Regeln – mehr dazu auf unserer Seite für Grenzgänger.

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