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Hausrat & Privathaftpflicht in der Schweiz: Was ist Pflicht?

Hausratversicherung und Haftpflicht in der Schweiz: was sie decken, wo sie Pflicht sind, plus Versicherungssumme, Unterversicherung und Selbstbehalt.

schweiz-start.ch Redaktion ca. 9 Min. Lesezeit

Wer in die Schweiz zieht, stösst rasch auf zwei Versicherungen, die im Alltag eng zusammengehören und doch grundverschieden sind: die Hausratversicherung und die Privathaftpflichtversicherung. Die Namen klingen vertraut, die Spielregeln sind es nicht immer, vor allem, weil in der Schweiz zusätzlich die kantonale Gebäudeversicherung ins Spiel kommt. Dieser Ratgeber erklärt, was die beiden Versicherungen abdecken, ob sie Pflicht sind und worauf Zuzüger aus Deutschland und Österreich achten sollten.

Information, keine Versicherungsberatung. Massgebend sind im Einzelfall die Bedingungen des jeweiligen Versicherers und die Vorgaben deines Wohnkantons.

Was ist der Unterschied zwischen Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung?

Die beiden Versicherungen werden oft in einem Atemzug genannt, decken aber zwei völlig verschiedene Risiken ab (ch.ch):

  • Hausratversicherung schützt dein eigenes Hab und Gut: Sie deckt Schäden an deinem Inventar, also an Möbeln, am Fernseher, an Kleidern, an der Sportausrüstung und anderem Hausrat.
  • Privathaftpflichtversicherung schützt dich, wenn du anderen einen Schaden zufügst: Wer einer anderen Person einen Schaden verursacht, ist verpflichtet, diesen wiedergutzumachen, und genau dafür springt die Privathaftpflicht ein.

Der entscheidende Merksatz: Die Hausratversicherung kommt nicht für Schäden auf, die du Dritten zufügst; das ist Sache der Privathaftpflicht (ch.ch). Beide ergänzen sich also, ersetzen einander aber nicht.

Was deckt die Hausratversicherung ab?

Die Hausratversicherung versichert dein bewegliches Inventar gegen die typischen Gefahren im Haushalt. Laut den Schweizer Behörden deckt sie Schäden an Möbeln, Fernseher, Kleidern, Sportausrüstung und anderem Hausrat bei (ch.ch):

  • Feuer
  • Naturereignissen (zum Beispiel Sturm)
  • Wasserschäden
  • Einbruchdiebstahl

Vereinfacht gilt: Alles, was du bei einem Umzug mitnehmen würdest, gehört zum Hausrat. Was am Gebäude fest verbaut ist, gehört dagegen nicht dazu; dafür ist die Gebäudeversicherung zuständig (mehr dazu weiter unten).

Versicherungssumme und Unterversicherung: die wichtigste Stellschraube

Beim Abschluss legst du eine Versicherungssumme fest, den Betrag, der dem Wert deines gesamten Hausrats entsprechen sollte. Diese Zahl ist keine Formalität, denn das Gesetz knüpft daran zwei Rechtsfolgen (Art. 51a VVG):

  1. Obergrenze: Der Versicherer haftet für den Schaden grundsätzlich nur bis zur Höhe der Versicherungssumme; mehr gibt es auch beim Totalschaden nicht.
  2. Unterversicherung: Erreicht die Versicherungssumme den Ersatzwert deines Hausrats nicht, wird der Schaden, wenn vertraglich nichts anderes vereinbart ist, nur in dem Verhältnis ersetzt, in dem die Versicherungssumme zum Ersatzwert steht.

So funktioniert die proportionale Kürzung

Der zweite Punkt wird regelmässig unterschätzt, weil er auch bei Teilschäden greift, nicht erst, wenn die ganze Wohnung ausbrennt. Die Mechanik an einem Zahlenbeispiel: Beträgt der Ersatzwert deines gesamten Hausrats 100’000 Franken, du hast aber nur eine Versicherungssumme von 60’000 Franken vereinbart, bist du zu 60 Prozent versichert. Zerstört ein Wasserschaden nun Hausrat im Wert von 10’000 Franken, ersetzt der Versicherer nach dieser gesetzlichen Regel nicht 10’000, sondern nur 6’000 Franken, obwohl der Schaden weit unter der Versicherungssumme liegt.

Die Formel dahinter:

Entschädigung = Schaden × (Versicherungssumme ÷ Ersatzwert)

Wichtig ist die Einschränkung im Gesetz: Die Kürzung gilt, wenn nichts anderes vereinbart ist (Art. 51a Abs. 2 VVG). Manche Verträge weichen davon ab, etwa mit einem Verzicht auf die Unterversicherungs-Einrede bis zu einer bestimmten Grenze. Massgebend sind immer die Bedingungen deines konkreten Vertrags; lies also nach, wie dein Versicherer die Unterversicherung handhabt.

Hausrat-Wert realistisch schätzen

Damit die proportionale Kürzung dich nicht trifft, muss die Versicherungssumme den tatsächlichen Wert deines Hausrats abbilden. Praktisch bewährt sich dieses Vorgehen:

  • Zimmer für Zimmer durchgehen, inklusive Keller, Estrich und Balkon. Gerade Kleider, Schuhe, Küchenausstattung, Bücher, Werkzeug und Sportausrüstung summieren sich stärker, als die meisten erwarten.
  • Zum Wiederbeschaffungspreis rechnen, also zu dem Betrag, den die Neuanschaffung heute kosten würde, nicht zum damaligen Kaufpreis. Wie der Ersatzwert genau definiert ist (Neuwert oder Zeitwert), legt dein Vertrag fest.
  • Teure Einzelstücke separat notieren (Schmuck, Kameras, Musikinstrumente, E-Bike): für solche Gegenstände sehen viele Verträge eigene Höchstgrenzen vor, die eine separate Vereinbarung nötig machen können.
  • Nach grösseren Anschaffungen anpassen: Die Versicherungssumme ist kein einmaliger Wert. Neue Möbel, ein Heimkino oder eine hochwertige Velo-Ausrüstung verschieben den Ersatzwert nach oben.

Selbstbehalt: So rechnet der Versicherer im Schadenfall

Der Selbstbehalt ist der Teil des Schadens, den du pro Ereignis selbst trägst. Die Mechanik ist einfach: Der Versicherer zieht den vereinbarten Betrag von der Entschädigung ab. Bei einem gedeckten Schaden von 3’000 Franken und einem Selbstbehalt von 200 Franken erhältst du also 2’800 Franken; liegt ein Schaden unter dem Selbstbehalt, zahlt der Versicherer nichts. Die Höhe des Selbstbehalts ist bei den meisten Risiken Vertragssache; ein höherer Selbstbehalt senkt in der Regel die Prämie, verlagert dafür mehr Risiko auf dich.

Eine Besonderheit gilt bei Elementarschäden: Dort ist der Selbstbehalt für Hausrat nicht verhandelbar, sondern rechtlich fixiert: er beträgt 500 Franken pro Ereignis (Art. 175 AVO). Als Elementarschäden gelten dabei Schäden durch Hochwasser, Überschwemmung, Sturm (Wind ab 75 km/h), Hagel, Lawinen, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag oder Erdrutsch (Art. 173 AVO).

Typische Zusatzdeckungen: Glas, Diebstahl auswärts, Velo

Die Grunddeckung der Hausratversicherung umfasst Feuer, Naturereignisse, Wasserschäden und Einbruchdiebstahl (ch.ch). Einige Alltagsrisiken fallen aber typischerweise nicht in diese Grunddeckung und lassen sich, je nach Anbieter, als Zusatzbaustein einschliessen. Die drei Klassiker:

ZusatzbausteinWas er typischerweise decktWorauf du achten solltest
GlasbruchBruch von Mobiliarverglasung (Glastisch, Vitrine, Glaskeramik-Kochfeld) und je nach Vertrag auch von Gebäudeverglasung in der gemieteten WohnungOb nur eigenes oder auch gemietetes Glas gedeckt ist und wie sich der Baustein zur Privathaftpflicht abgrenzt
Einfacher Diebstahl auswärtsDiebstahl ohne Einbruch ausserhalb der Wohnung, etwa Taschendiebstahl oder gestohlenes Gepäck unterwegsVereinbarte Höchstsumme pro Ereignis und allfälliger Selbstbehalt
Velo / E-BikeDiebstahl des abgeschlossenen Velos unterwegs, meist über den Baustein Diebstahl auswärtsOb die Höchstsumme für dein Velo oder E-Bike reicht; teure Modelle müssen oft mit höherer Summe deklariert oder separat versichert werden

Der Hintergrund: Die Grunddeckung greift beim Einbruchdiebstahl, also wenn jemand gewaltsam in deine Wohnung eindringt. Wird dir dagegen das Portemonnaie im Zug entwendet oder das Velo vor dem Geschäft gestohlen, ist das einfacher Diebstahl auswärts; dafür braucht es in der Regel den entsprechenden Zusatz mit einer vertraglich vereinbarten Höchstsumme.

Was deckt die Privathaftpflichtversicherung ab?

Die Privathaftpflicht greift, wenn du jemand anderem einen Schaden zufügst und dafür haftest. Sie deckt in der Regel (ch.ch):

  • Personen- und Sachschäden, die du Dritten zufügst,
  • Vermögensschäden, die aus Personen- und Sachschäden resultieren, etwa Lohnersatz für eine verletzte Person, die nicht mehr arbeiten kann,
  • die Abwehr ungerechtfertigter Ansprüche.

Der letzte Punkt wird leicht unterschätzt: Eine gute Privathaftpflicht hilft auch dann, wenn eine Forderung an dich gar nicht berechtigt ist: Sie wehrt unbegründete Ansprüche ab, statt dass du dich allein damit auseinandersetzen musst.

Sind diese Versicherungen in der Schweiz Pflicht?

Hier liegt die wichtigste Erkenntnis, und der Punkt, an dem sich Pauschalaussagen verbieten, weil der rechtliche Status je nach Versicherung und Kanton unterschiedlich ist.

Privathaftpflicht: freiwillig, aber oft verlangt

Die Privathaftpflichtversicherung ist in der Schweiz grundsätzlich freiwillig; es gibt also kein allgemeines gesetzliches Obligatorium (ch.ch). In der Praxis kommst du um sie trotzdem oft nicht herum:

  • Beim Mieten einer Wohnung wird sie häufig verlangt: Viele Vermieter machen eine Privathaftpflicht zur Bedingung für den Mietvertrag (ch.ch).
  • Für Hundehalterinnen und Hundehalter ist sie in den meisten Kantonen obligatorisch (ch.ch).

Freiwillig im Gesetz heisst also nicht automatisch freiwillig im Alltag; gerade auf dem angespannten Schweizer Wohnungsmarkt ist eine bestehende Privathaftpflicht für viele Vermieter ein Standardkriterium.

Hausratversicherung: kein landesweites Obligatorium, aber kantonale Ausnahmen

Für die Hausratversicherung gibt es kein gesamtschweizerisches Obligatorium; sie ist ein privatrechtliches Produkt, das du bei einem privaten Versicherer abschliesst. In den meisten Kantonen ist sie damit freiwillig; einzelne Kantone schreiben sie aber ausdrücklich vor:

  • Im Kanton Nidwalden ist die Hausratversicherung gegen Feuer- und Elementarschäden obligatorisch (NSV).
  • Im Kanton Waadt muss die Mobiliar- bzw. Hausratversicherung gegen Feuer und Elementarereignisse beim kantonalen Versicherer ECA abgeschlossen werden, ebenfalls obligatorisch (ECA Vaud).

Wie unterscheidet sich die kantonale Gebäudeversicherung?

Das ist der Punkt, an dem viele Zuzüger ins Stolpern geraten, weil es in dieser Form ein typisch schweizerisches Konstrukt ist. Neben Hausrat und Privathaftpflicht existiert eine dritte, eigenständige Versicherung: die kantonale Gebäudeversicherung.

Sie versichert das Gebäude selbst, also die Bausubstanz, gegen Feuer- und Elementarschäden und ist damit etwas grundsätzlich anderes als die Hausratversicherung, die nur dein bewegliches Inventar abdeckt. In der Mehrheit der Kantone gibt es dafür eine eigene öffentlich-rechtliche kantonale Anstalt; welche Gebäudeversicherung in deinem Kanton zuständig ist, zeigt das Verzeichnis der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG).

In der Mehrheit der Kantone ist die Gebäudeversicherung gegen Feuer- und Elementarschäden obligatorisch. Zwei Beispiele:

  • Im Kanton St. Gallen sind Gebäude mit einem Neuwert ab 30’000 Franken bei der kantonalen Gebäudeversicherung obligatorisch gegen Brand- und Elementarschäden versichert (GVSG).
  • Im Kanton Glarus sind alle Gebäude obligatorisch gegen Feuer- und Elementarschäden zu versichern (glarnerSach).

So lassen sich die drei Versicherungen sauber trennen:

VersicherungWas sie versichertRechtlicher Status
Hausratversicherungdein bewegliches Inventar (Möbel, Kleider, Geräte)kein landesweites Obligatorium; Pflicht z. B. in NW und VD
PrivathaftpflichtSchäden, die du Dritten zufügstgrundsätzlich freiwillig; oft vom Vermieter verlangt
Kantonale Gebäudeversicherungdas Gebäude (Bausubstanz) gegen Feuer/Elementarin der Mehrheit der Kantone obligatorisch

Worauf sollten Zuzüger aus Deutschland und Österreich achten?

Wer aus dem deutschsprachigen Ausland kommt, kennt Hausrat und Privathaftpflicht dem Namen nach; die Schweizer Besonderheiten sind aber neu. Drei Dinge solltest du im Kopf behalten:

  1. Gebäudeversicherung ist nicht gleich Hausratversicherung. Die kantonale Gebäudeversicherung deckt das Gebäude, nicht dein Inventar. Verlasse dich nicht darauf, dass dein Hausrat damit „irgendwie mitversichert” ist; das ist er nicht.
  2. Die Pflicht hängt vom Kanton ab. Ob eine Hausrat- oder Haftpflichtpflicht besteht, beruht auf kantonalem Recht und unterscheidet sich von Kanton zu Kanton. Eine bundesweit einheitliche Antwort gibt es nicht.
  3. Die Privathaftpflicht ist faktisch oft Voraussetzung. Auch wo sie gesetzlich freiwillig ist, verlangen viele Vermieter sie für den Mietvertrag. Es lohnt sich, sie früh zu organisieren, idealerweise bevor du den Mietvertrag unterschreibst.

Eine Übersicht über die Versicherungen, die beim Zuzug wichtig werden, findest du in unserer Checkliste zu Versicherungen beim Zuzug in die Schweiz.

Information statt Beratung: wie wir helfen

Dieser Ratgeber erklärt die Grundlagen und ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Deckung in deiner Situation sinnvoll ist (und ob in deinem Wohnkanton eine Pflicht besteht), hängt von deinen persönlichen Umständen ab. Wir arbeiten dabei mit einer anbieterübergreifenden Versicherungsberatung zusammen, die mit verschiedenen Schweizer Versicherern kooperiert. Wir ordnen für dich ein und vermitteln dir auf Wunsch eine kostenlose, unverbindliche Beratung; du entscheidest danach frei.

Wenn du deinen Versicherungsbedarf rund um den Zuzug nicht allein durchgehen möchtest, helfen wir dir gerne weiter, persönlich, auf Deutsch und unverbindlich. Fordere dazu einfach eine kostenlose Beratung an.

Häufige Fragen

Sind Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung in der Schweiz Pflicht?
Die Privathaftpflichtversicherung ist grundsätzlich freiwillig, wird beim Mieten einer Wohnung aber oft verlangt; für Hundehalterinnen und Hundehalter ist sie in den meisten Kantonen obligatorisch. Für die Hausratversicherung besteht kein landesweites Obligatorium; einzelne Kantone wie Nidwalden und Waadt schreiben sie aber vor. Ob in deinem Wohnkanton eine Pflicht gilt, klärst du am besten mit der zuständigen kantonalen Stelle.
Was ist der Unterschied zwischen Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung?
Die Hausratversicherung deckt dein eigenes Inventar (Möbel, Kleider, Sportausrüstung und anderen Hausrat) bei Feuer, Naturereignissen, Wasserschäden und Einbruchdiebstahl. Die Privathaftpflichtversicherung deckt dagegen Schäden, die du Dritten zufügst. Anders als die Hausratversicherung kommt sie für Schäden an fremden Personen oder Sachen auf.
Ist die Hausratversicherung dasselbe wie die kantonale Gebäudeversicherung?
Nein. Die kantonale Gebäudeversicherung versichert das Gebäude selbst (die Bausubstanz) gegen Feuer- und Elementarschäden und ist in der Mehrheit der Kantone über eine eigene öffentlich-rechtliche Anstalt obligatorisch. Die Hausratversicherung deckt dagegen dein bewegliches Inventar. Als Mieterin oder Mieter betrifft dich die Gebäudeversicherung in der Regel nicht direkt.
Was deckt die Privathaftpflichtversicherung ab?
In der Regel Personen- und Sachschäden, die du anderen zufügst, daraus resultierende Vermögensschäden (zum Beispiel Lohnersatz für eine verletzte Person, die nicht mehr arbeiten kann) sowie die Abwehr ungerechtfertigter Ansprüche.
Worauf sollten Zuzüger aus Deutschland und Österreich besonders achten?
Darauf, dass die kantonale Gebäudeversicherung etwas anderes ist als die Hausratversicherung, dass beim Mieten einer Wohnung oft eine Privathaftpflicht verlangt wird und dass je nach Kanton sogar eine Hausrat- oder Haftpflichtpflicht bestehen kann. Im Zweifel klärst du das mit der zuständigen kantonalen Stelle.

Quellen

Aktualisiert am .

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.